Verbrannte Sahne

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Ich mag sie ja gerne, die Crème brûlée. Ein französischen Küchenklassiker – daher auch recht einfach, gehaltvoll und superlecker.

Und man – ganz wichtig – darf mit Heimwerkerutensilien ein wenig Showküche betreiben. Ich verwende einen Hartlötkolben mit Gaskartusche.

Wichtig sind die flachen Tellerchen, die haben das perfekte Verhältnis von knuspriger Oberfläche und Tauchtiefe – diese ist nötig, damit die Crème gerade mal so stockt im Wasserbad. Tiefere Tiegel taugen tendentiell wenig, zu viel Flüssiganteil bleibt übrig und unten ist Rührei.

Hier das Rezept für vier Tellerchen:

* 200g Sahne (also ein Becher)

* 100g Zucker oder Stevia in passender Menge

* 1 ganzes Ei

* 3 Eigelb

* Inhalt einer Vanilleschote

Die Zubereitung ist einfach: Die Sahne mit dem Zucker verrühren, das Ei und die Eigelb unterrühren, das Mark der Vanilleschote auch, den Rest der Vanilleschote hineinlegen, das ganze ein paar Stunden (oder auch nicht, wenn es pressiert) stehen lassen, den Ofen auf Umluft 150° erhitzen, eine Fettpfanne leicht halbvoll mit Wasser füllen und ins Rohr schieben, die Masse langsam leicht im Topf gut handwarm erwärmen,  dabei manchmal rühren, die Vanilleschotenreste entfernen,  in die Förmchen umfüllen, diese dann ins Wasserbad stellen.

Nach 30 Minuten sollte die Masse etwas fest geworden sein, dann kalt stellen für mindestens eine Stunde – über Nacht geht auch. Außer es pressiert.

Dann Zucker über die Oberfläche streuen, ein Esslöffel pro Form darf es schon sein. Dann fängt die Gaudi an: draußen, fernab von entzündlichen Materialien, auf der Granitterrasse, z.B., in Abwesenheit von Menschen (besonders Kindern) und Viechern, im Vollbesitz der geistigen und körperlichen Kräfte, your milage may vary, do not try this at home, trained personnel only, yadayadaya…. darf der studierte Aushilfsklempner nun den kleinen Drachen zum Fauchen bringen. Damit fährt er langsam, erst aus 20 cm Abstand, dann näher kommend, über die Oberfläche, bis diese allmählich eine Bräunung annimmt.

Noch ein paar Minuten stehen lassen, Karamell ist furchtbar heiß und macht echt schmerzhafte Verletzungen bei Berührungen – besonders im Mund.

Vielleicht ein paar Himbeeren drauf, vielleicht ein Zitronenmelisseblättchen  – mehr auf keinen Fall.

 

 

1,5 Millionen Portraits

will ein junger Münchner Künstler anfertigen, also alle Einwohner von München auf Papier bannen. Hut ab vor diesem Vorhaben – er meinte, bei seinem jetzigen Tempo wäre er mit ungefähr Achtzig fertig. Bei einem Abendessen in einem der leckereren Inder in München wurde ich auch Teil seines Vorhabens. Dabei bin ich überhaupt kein Münchner.

Priesterwürger

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Eines meiner Lieblingsrezepte aus dem Trentino sind die Strangolapreti, die Priesterwürger.

Es handelt sich dabei um eine Art Semmelknödel mit Spinat und Pinienkernen in einer Butter-Salbe-Sauce.

Für die Knödel

* 400 g Milch

* 300 g altbackenes Brot

* 400 g Spinat (tiefgefroren geht auch)

* 2 Eier

* ca. 50 g Mehl

* ca. 50 g Semmelbrösel

* 50 g Pinienkerne

Für die Soße

* 100 g Butter

* Salbeiblätter

* Parmesan

Das Brot kleinhacken und mit dem Spinat vermischen, die Milch aufkochen und über das Brot geben. Eine halbe Stunde ziehen lassen, dabei gelegentlich umrühren. Die Pinienkerne hacken und mit den Eiern in den Teig geben. Salzen, Pfeffern.

Ein kleines Klößchen aus dem Teig formen, diesen Probeknödel in kochendes Salzwasser geben, wenn der nicht innerhalb einiger Minuten zerfällt, dann den Rest der Teigmasse in kleine Knödel formen und ins Wasser geben. Sonst einfach mehr Mehl in den Teig geben.

Nach ein paar Minuten die Flamme reduzieren und die Klöße noch 20 Minuten ziehen lassen.

Derweil die Butter schmelzen und die Salbeiblätter darin anrösten. Die Butter darf leicht braun werden. Mit Parmesan überzuckern und servieren.

Ein kleiner Salat passt hervorragend, ebenso ein typischer Wein aus dem Trentino.

Bistare, bistare

_MG_6240_nepal_blogDie vier Wochen Nepal vergingen viel zu schnell. Und das, wo man beim Wandern eigentlich viel Zeit hat. Aber man kommt oft aus dem Schauen nicht heraus.

So viele Eindrücke. Blicke, Gerüche, Bilder, Geräusche, Musik, Essen, Freuden, Ängste, Freundlichkeit, Landschaft, Gefühle, Eiskälte, Wärme. Auf jeden Fall ein nachhaltig wirkender Trip.

Ganz nah am Himmel war es kalt, die Sonne kam gerade hoch, der Wind war schon da, war ich müde, durchgefroren, erschöpft, dankbar für die frühen Strahlen, das Licht, das nicht aus der Stirnlampe kommt, bewusst ganz langsam, was alle Bewegungen angeht. Kurzatmig. Froh. Glücklich. Lebendig. Dankbar dafür. Ein wenig Stolz. Vorfreude auf die Wärme, die bald kommen würde.

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Dicke Bäckersfrau

hms

In Oberammergau, der Heimat des König-Ludwig-Laufes, fand dieses Jahr wieder das Heimatsoundfestival statt. Der bayrische Rundfunk bewies nicht unbedingt typographische Stilsicherheit, aber die Auswahl der Bands war wieder großartig. Der Keller Steff überzeugte mit dem Buidogfahrer, die Mädels von Ganes verzauberten (und traten mir später bei den überragen spielenden HMBC auf die Füße), aber die Überraschung waren Coconami, zwei in München lebende Japaner, die mit Kinderinstrumenten und Ukulelen Größen wie die Ramones und die Spider Murphy Gang covern und Lebensweisheiten wie „Ich will Brot, Du willst Geld, so funktioniert die Welt“ verbreiten. Das Publikum ist auch nett, eher weniger Festival-typisches Jungvolk. Und eine kulinarische Entdeckung in der eher drögen Foodlandschaft zwischen Wetterstein und den Seen : Mundart. Engagiertes Personal, gute Karte, leckere Getränke,  sehr nette Köchin, die Steffi ließ sich sogar überreden, die Herstellung von gebackenem Eis zu zeigen.

Teueres Hobby

grossglockner in austria on a sunny day

Der höchste Berg Österreichs ist nun auch bestiegen. Bei Traumwetter, im T-Shirt auf fast 4000 Meter Höhe. Ich ging auf die Stüdlhütte, war überrascht von dem sensationellen Essen dort. Es gab zweierlei Suppen, ein Salatbüffet (auf immerhin 2300 hm) und drei Gerichte zur Auswahl. Dann noch zweierlei Nachspeisen und ein Käsebuffet. Dann ging es über den Gletscher zur Adlersruhe, dort war das Essen eher hüttentypisch. Diese Hütte liegt so hoch, dass es kein Wasser gibt, daher auch keine Waschbecken oder ähnlichen überbewerteten Schnickschnack. Der Liter Wasser kostet dort 2,50 EUR. Der Adler mag ja seine Ruhe haben, aber in den eher engen Stockbetten schnarchen dann doch einige. Entsprechend unausgeschlafen ging es von dort  dann auf den Gipfel. Der Grat zwischen dem kleinen und dem großen Glockner ist der Knackpunkt der Tour, dort staut es sich, auch um halb sieben in der Früh. Und schmal ist er….

Das dürfte der bisher teuerste Gipfel sein, die Übernachtungen mit dem Essen und die Maut für  den Tauerntunnel und die Mautstraße hinter Kals kommen auf gut 200 Euro.

Crisis – what crisis?

olympIn der Reihe der höchsten Gipfel eines jeden euröpäischen Landes darf natürlich der Olymp nicht fehlen. Es gibt eine nette Hütte da, der Aufstieg ist unschwer, aber es gibt drei Gipfel. Zwei habe ich mitgenommen, den dritten nicht, da wäre leichtes Klettern angesagt gewesen in brüchigem Stein. Nicht ohne Helm, dachte ich mir, wenn oben eine Gruppe von 30 serbischen Bergsteigern Steinchen lostritt.

Naja, dann lieber abtauchen und Fischlein füttern.

fish

Die Hellenen wirken sehr entspannt, die Krise irgnorieren sie scheinbar, dafür wird gerne Party gemacht. Und im Straßenverkehr gestorben, ich hatte ein shooting und fragte das Modell nach der Bedeutung der alle paar hundert Meter an den Straßen aufgestellten kleinen Kirchenmodellen. „Somebody died in a car crash“, meinte sie. Lakonisch, aber das liegt wohl im Blut.

Stärke

kaiser_blog

Ich sage es ja öfter: Im Kaisergebirge findet man die interessanten Personen. Heute, auf einer Alm beim Abstieg, ich wollte nur einen Kaffee mit nettem Blick ins Tal, erzählte die Wirtin von ihrem Totalverlust ihres Hofes durch Brandstiftung, durchgeführt von ein paar unmündigen Kindern und ihrem mehrjährigem noch ergebnisoffenem Kampf mit den Versicherungen. Und dem kompletten Verlust aller persönlicher Habe, aller Erinnerungsgegenstände. Sie musste das angekokelte Heu sogar für den Gegenwert eines gehobenen Mittelklasseautos entsorgen. Und natürlich stand sie ohne Kleidung dar und und oft ohne den Beweis der Freundschaft, den sie sich erhoffte.  Aber nicht alle, von denen sie es erwartet hätte, halfen ihr.  Die Gute war dennoch der am glücklichsten wirkende Mensch, den ich in diesem Jahr bisher begegnet bin.

Lessons learned: Den digitalen Kram, den man meint zu brauchen, dezentral speichern. Der Rest ist eh weg, wenn es soweit kommt. Und das kann befreiend sein.